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BELLEBEN, HAUS-ZEITZ & PIESDORF
*Abschrift, Quelle und Jahr unbekannt, aus dem Gemeindearchiv Belleben, mit Anmerkungen und ggf. Korrekturen

Zwischen dem Mansfelder Lande, dem Saalkreise und Anhalt liegt die ansehnliche Ortschaft Belleben. Kein Mensch weiß, wie alt das Dorf ist, das ursprünglich zum Saalkreise gehörte und erst 1815 zum Mansfelder Seekreise gekommen ist. (1) Als Stück der Grafschaft Alsleben gekommen ist. Als Stück der Grafschaft Alsleben wird es um 1000 seine erste Kirche bekommen haben, bald nachdem auch Alsleben seine „Domkirche“ erhalten hatte. Schon zur Zeit der Sklavenkämpfe hatte sich die Bevölkerung gebildet, vermutlich aus germanischen und wendischen Stämmen. Sachsen waren es nicht, denn die niederdeutsche Sprachgrenze verläuft weiter nördlich. Es mögen Thüringer (2) gewesen sein; dazu kamen sicher auch Franken und Vlamen, so wie es die Ostkolonisation mit sich brachte. Die erste urkundliche Erwähnung ist von 1180 (3). Im Staatsarchiv zu Magdeburg findet sich ein großes Pergament mit Wachssiegel, das uns erzählt, wie der bedeutsame Erzbischof Wichmann außer seinem Schlosse Seeburg noch andere Güter der Kirche vermachte, darunter auch sein Besitztum Belleben. – Um 1297 hatte der Erzbischof in Belleben (4) einen Gefolgsmann, den Ritter Burkhard von „Benleve“, während im Süden Graf Busso zu Mansfeld seinen Gefolgsmann weiter nördlich zu wohnen hatte, den Albrecht von Zehringen bei Köthen. Die beiden Landesherren tauschten nun ihre Ritter gegeneinander aus, und so kam es wohl, dass unser Ort auch Beziehungen zu Mansfeld bekam. – Hundert Jahre später hören wir von einem Gutsherrn in Belleben, dem Bethmann Vojt (5). Er starb 1457, und es ist möglich, dass er der Ahnherr der großen Familie Voigt ist, von dem alle Voigts in Belleben abstammen. Jedenfalls ist der um 1652 nachweisbare Hans Voigt, der Kirchvater, ihr Stammvater. Dies ist die einzige Familie im Orte, die seit dem 30jährigen Kriege im Mannesstamme erhalten ist.

Mit dem Zeitalter Luthers erfahren wir mehr. Belleben war von 1458 bis 1561 Lehnsgut der Trothas. Erzbischof Ernst von Magdeburg belehnte den berühmten Ritter Hans mit Belleben, wozu Haus Zeitz noch nicht gehörte. Hans kaufte Haus Zeitz dazu, und nachdem er dort ein Schloss hatte bauen lassen, machte er dies zu seiner Residenz (6). Auch die Wassermühle wird auf ihn zurückgeführt. Seine sonstigen Taten sind an anderer Stelle gewürdigt worden. Namen der Bewohner jener Zeit kennen wir noch nicht, nur Johannes Schröter, den ersten evangelischen Pfarrer. Dazu wird uns in dem Bericht der Kirchenvisitation von 1563 gemeldet, dass in Belleben 40 Hauswirte wohnten. Diese kurze Nachricht ist für unser Thema sehr wesentlich.

In der nun folgenden Zeit, 1561 bis 1618 herrschten die Krosigks in Belleben, u.a. werden die Namen Lorenz und Adolf genannt, die aber nicht ständig in Belleben wohnten. Pfarrer war Jakob Röder, der den Brandstifter Mistet in Alsleben zum Scheiterhaufen geleitete und in die damaligen Kirchenstreitigkeiten (Interim) hineingezogen wurde. Das Kirchenprotokoll von 1583 nennt auch noch keine Namen von Bewohnern, sagt aber dass 55 Hauswirte im Orte wohnten. Bald aber lichtet sich das Dunkel und um 1600 hören wir etwa 20 Namen, von denen uns Stephan Voigt und Simon Bötticher (Böttgers Berg!) (7) interessieren. – Es sei hier ein Wort eingeschaltet über die Quellen und die Art der Verwertung und Forschung. Da unsere Kirchenbücher erst mit 1651 beginnen, sind wir für die frühere Zeit auf das Staatsarchiv in Magdeburg angewiesen. Dort findet man neben alten Urkunden auch die Protokolle der Kirchenvisitationen und die Lehnsakten der Herrschaftsgüter! Erstere berichten nicht nur von kirchlichen Angelegenheiten, sondern lassen auch ein Licht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse fallen und nennen manche Namen der Bewohner, z.B. der Pächter und der Zinszahler. Letztere nennen aber nennen den Neubelehnten die Namen der Bauern, die den Herren Abgaben (namentlich Hühner) zu leisten hatten. Da fanden wir nun einen Lehnsbrief von 1613, der uns willkommenen Aufschluss über 30 damalige Höfe gibt. Manche Nachkommen dieser Sippen hin und her werden sicher gern ihre Vorfahren erkennen; doch ist zu bemerken, dass die alten Buchstaben oft schwer zu lesen sind und eine genaue Schreibung nicht möglich ist. Die 30 Höfe verteilen sich auf 20 Familiennamen; einige Besitzer hatten 2 Güter. – Es waren also: George Behme, Valtin Behr, Melchior Böserberg, Karl Dannemann, Pfarrer Thomas Egermann, Nikolaus Fuhrmann, Joachim Gropergletzer, Hans Grote, Thomas Hampe, Andreas und Jakob Handorff, Thomas Heydicke, Daniel und Paul Knoche, Baltahsar und Brosius Köhr, Michael Kramer, Jakob Kücke, Liborius jun. und Liberius sen. Kücke, Joachim Mohn, Heinrich Püzmann sen. und jun., Simon Reinicke, Heinrich Wentzell, Balthasar und Michale Zimmermann, dazu „die Mülle, so Hans von Trotha hat erbauen lassen“. – Von diesen 20 Namen sind die meisten im 30jährigen Kriege verschwunden, nur etwa 7 erscheinen später wieder: Böttger, Voigt, Kücke, Knoche, Mohn, Püzmann und Reinicke, welche auch zumeist wieder verschwunden sind. Voigt allein ist geblieben; Mohn lebt weiter in der Nebenlinie Werner. Aber eine ganze Reihe von neuen Familien helfen nach dem großen Kriege den 7 alten Geschlechtern das zerstörte Dorf wieder aufzubauen. Damit kommen wir in eine der interessantesten Epochen der heimatlichen Forschung, die wir nun „Wiederaufbau“ oder „Neugründung“ nennen können, und in der die Namen Anna Sophia und Liborius Mohn hervorleuchten.

Es war die Zeit der Herrschaft von Lochau, die von 1613 bis 1684 hier wirkte. Ludwig, der Domdechant und Verweser des Erzbistums, dessen Grabmal im Dom zu Magdeburg zu sehen ist, hatte Belleben mit Haus Zeitz erworben. Sein Neffe Ludwig musste erleben, wie der Ort im Kriege vollständig zerstört wurde. Die Menschen waren vertrieben oder erschlagen, alles geraubt und verbrannt. Aus den Mauern wuchs Holunder, und die Felder waren mit mannshohen Brennnesseln verunkrautet. Der letzte Pfarrer Chriatus Götze starb 1636 in Alsleben in großem Elend, und seit 1635 hielt sich keine Seele mehr im Orte auf (8). Fast wäre es Belleben so ergangen wie dem benachbarten Rübesdorf oder Dresewitz, aber Liberius Mohn, der bei dem Rentmeister Christoph Hoffmann in Haus Zeitz Unterschlupf gefunden hatte, ließ die Hoffnung nicht fahren und tat das Seine, um Belleben wieder hochzubringen. Er war erster Schöppe bei dem weniger bedeutsamen Ortsrichter David Kücke, und dass er 116 Jahre alt geworden ist, ist nur damit zu erklären, dass er eine ungewöhnliche Lebens- und Tatkraft besaß. Er ging 1647 nach Halle, um der Obrigkeit die Lage zu schildern, und berichtete: „dass alle hingestorben sey, weder man noch Weib, auch garniemand außer ihm allein noch übrig, habe sich nun 12 Jahrlang in B. nicht mehr halten können, weil das ganz Dorff totaliter ruinirt … aber niemandes Gebrauch bitzhero geben und noch legen (unleserlich).“

Nun, auch der schreckliche Krieg ging bald darauf zu Ende, und Liberius konnte mit den letzten alten Bellebern den Schutt aufräumen. In Zeitz hatte der junge Herr Christoph Heinrich von Lochau 1650 seine Anna Sophia von Alvensleben heimgeführt, den guten Engel der Gemeinde, die durch Wohltun und christlichen Wandel innerlich aufbaute, was der alte Mohn äußerlich schaffte. Dazu kam Ende 1651 wieder ein Pfarrer, Melchior Schirmer; das Gemeindeleben nahm wieder seinen Anfang, und auch das Kirchenbuch begann. – Als vor mehreren Jahren der heutige Pfarrer nach Belleben kam, wurde ihn ein Haufen Bücher übergeben, darunter ein ganz altes, unansehnliches, das fast umgekommen wäre. Und gerade dies Buch ist für die Chronik unser größter Schatz geworden, obwohl die Blätter mürbe, abgegriffen und schwer entzifferbar sind. Die ersten 5 Jahre, lateinisch geschrieben, sind jetzt Zeile für Zeile in emsiger Kleinarbeit abgeschrieben. Dabei ist jeder Name und jedes Wort untersucht, oft mit der Lupe. Für jede Familie wurde eine Karte angelegt und alles eingetragen, was irgendwie ein Licht auf alte Sippen bringen konnte. Und jetzt ersteht Alt-Belleben neu! Wir sehen wie zu den 7 alten Familien neue hinzukamen, und Simon Böttger wieder Töpfe nach Sandersleben lieferte, wie alte Soldaten als „Zivilverfolgungsschein“ ein Bauerngut bekamen, Christian Kehling und Henning Beyer der Fähnrich und Christoph Wile der Trompeter; Liberius Mohn musste, wie auch seine Frau, immer wieder Pate stehen; Hans Große machte seine Schmiede wieder auf und Andreas Götze seine Schenke; Hans Thomas Schürte den Backofen; Andreas Schulze war Schäfer auf dem Vorwerk Piesdorf und holte zur Taufe seines Sprösslings die Schafmeister der Umgegend, wie das noch heute Sitte ist; der Wanderbursch Seyfart aus Thüringen heiratete ein und versorgte die Leute mit Böttcherwaren; die alte adelige Tante auf Schloss Zeitz war häufig Pate bei kleinen Leuten, Volksverbundenheit in alter Zeit, die Prinzessin neben dem Rinderknecht; Ortsrichter Kücke wohnte auf seinem Herrschaftsgut, das später Türpes, Wagners, und dann Hagemanns besaßen; Hans Voigt und Christoffel Huske waren Kirchväter; Andreas Knappe der „Meurer“ kam irgendwoher, nebst anderen Handwerkern, weil sie wussten, „in Belleben wird gebaut“; Ritter Wollf von Wülkenitz hatte mit dem Pfarrer, dem Dichter, einen Streit, hat sich aber mit ihm verglichen. Und wenn man die seinen Buchstaben des Pastors im Kirchenbuch liest und hört, dass er auch Gedichte machte, und wenn dann die ganze Gemeinde für die neue Orgel sammelte, ja dann weiß mann: es geht in Belleben wieder bergauf, der Krieg ist vorbei! – Diese erwähnte Orgelstiftung ist nun Anlass geworden, die damaligen Leute kennen zu lernen. Wir besitzen noch die Sammelliste von 1666 mit 37 Gebern! Sie muss hier kurz wiedergegeben werden; es stifteten: Herr von Lochau (als Patron) mit Angehörigen 8 Taler, Richter Kücke 2 T. 12 Groschen, Herr von Wülknitz 2 T., das gleiche Michael Jahn, Fischer aus Alsleben; die Schöppen Mohn und Voigt 1 T. 12 Gr., die Kirchväter Hans Gebhard und Ckaus Bergmann 1 T. 6 Gr., je 1 Taler: Christoph Hartwieg, Georg Stein, Andreas Pickenhagen, Lorenz Mehne, Hans Faber, Chr. Huske, Chr. Hoffmann der Verwalter in Zeitz, Jakob Breiche und der Schäfer in Piesdorf; je 12 Groschen: Lib. Mohn jun., Martin Lönig, Michael Beltheim, Hans Knoche, Jak. Kretzner, Hans Müller, der Drescher zu Zeitz, Georg Clay, Peter Voigt (Sohn des Hans), und Anna, die Witze des Lorenz Knoche; je 6 Groschen: Otmar Oppermann, Knappe der Meurer, Hans Leonhard, Andreas Götze, Henning Bentir, Matthias Lochmann, Georg der Weet und der Müller; je 4 Groschen: Hans Freitag und der Futterschneider. Das ist ein schönes Zeugnis für das verarmte und wieder aufblühende Gemeindewesen bei dem hohen Wert des Talers damals! – Wir ergänzen die Aufstellung dieser Namen durch später hinzugekommene, die sich 1686 (also 20 Jahre später) in einer Liste von Zinszahlern der Kirchenkasse finden: Christian Peter, Hans Jasow (?), Hans Meier auf Steins Gut, Hans Krosigk, Hans Blume itzo Thomas Holland, Andreas Caßel, Hans Oppermann, Hans Müller. – Wir beachten an Namen derer, die nach dem Kriege sich einbürgerten, vor allem Hans Gebhardt, Stammvater einer großen Familie, deren letzter Spross als geborene Gebhard Frau Naumann ist. Es ist möglich, dass diese Sippe aus der Gegend von Lebendorf kommt. Eine spätere Familie Michael Gebhardt, die etwas später nach Belleben kam, stammte aus Bebitz, hat in aller Welt zahlreiche Nachkommenschaft, ist aber jetzt verschwunden. – Am Schlusse dieses Abschnitts mögen auch wieder 30 Höfe in Belleben gewesen sein, Anspänner und Koßaten. Dann beginnt mit 1684 eine enue Epoche. Wir notieren notieren noch nach einer alten Flurkarte die Ackerpläne dieser Höfe (ohen Haus Zeitz): Die Obermark, der Hammelberg, über dem Heerwege, die Mittelmark, die Untermark, am Sandersleber Weg, am Zeitzer Weg, in den Maschken, am Alsleber Weg, hinter dem Dorfe, die Nonne, am Gerbstedter Weg, das Pohlenfeld, der Emsberg, der Gemeindeacker, die Klappermorgen, die lange Wiese, der Herrngarten, die Lehne, der Pfingstanger, hinter dem Pfarrgarten, der Treppenberg, der Böttchersberg; ferner Schindergrund, Hofmannsgrund, Gemeindegrund, im Läger, am Backofen, dazu die Ortslage Oberdorf und Unterdorf.

Im Westfälischen Frieden war vorgesehen, dass das Herzogtum Magdeburg an Brandenburg fallen solle. Das geschah 1684. Im selben Jahre auch starb der Letzte derer von Lochau, und Belleben mit Haus Zeitz kam an Anhalt-Dessau, die Landeshoheit ausgenommen aber mit der Gerichtsbarkeit, die im „Amt Haus Zeitz“ ausgeübt wurde. Von Dessau ging die Herrschaft kurz darauf an Bernburg über. Diese Linie war 1603 mit der Teilung entstanden (Fürst Christian). Der dritte Regent (Victor Amadeus) wollte seinem zweiten Sohne Lebrecht auch einen Fürstensitz verschaffen, und so gründete er 1698 die Linie Anhalt-Bernburg-Zeitz, die bis 1812 bestand. Nun war Belleben durch Haus Zeitz eine kleine Residenz geworden. Fürts Lebrecht lebte nicht nur, sondern wirkte auch recht, und Belleben nahm einen unerwarteten Aufschwung. Wer noch heute das unansehnlich gewordene Schloss aufmerksam betrachtet, den Park und die Einrichtungen und im Kirchenbuch die vielerlei Namen liest, der merkt etwas von dem neuen Leben. Ein Hofstaat kam hierher, adliges Gefolge, Beamte, Diener und Landarbeiter. Im „roten Zimmer“ des Schlosses und in der Kapelle fanden Amtshandlungen statt, so auch die dritte Trauung des Fürsten. In der Gruft sind noch 12 Särge zu sehen mit den Inschriften und Amtsbezeichnungen (als preußische Offiziere etc.) der Bestatteten, darunter die Ahnfrau der Grafen Westarp. Da die Fürstin Lebrecht eine Prinzessin von Schaumburg war, gab es auch ein Schaumburgisches Regiment, und die Belleber haben davon ihre Spitznamen bekommen. Aus dem Bernburgischen und Hoymschen wurden viele Leute nach Belleben gezogen; so finden wir 1710 den fürstlichen Kutscher Martin Naumann aus Groß-Poley, dessen Nachkomme heute unser Bahnwärter ist, wenn er auch nicht „Lebrecht“ heißt, wie sein Vorfahr, dessen Pate der Fürst war, als des Sohnes seines Kutschers. Wenn überhaupt so manche Leute ihre Kinder Lebrecht nannten und wenn man die vielen Namen und Berufe der Bewohner durchstudiert, so kommt man je länger desto mehr zu einem Verständnis dieser bedeutsamen Zeit. In der Zeit um 1707 namentlich ließ Lebrecht 42 Viertaler-Häuser bauen, für die er den Landarbeitern und kleinen Leuten Acker und Gärten bereitstellte. Zu Lebzeiten dieses Fürsten, der 1727 starb, hat sich die Bevölkerung fast verdoppelt. Während es vorher nur etwa 50 Landleute gegeben haben mag, nennt eine Liste von 1751 rund 13 Anspänner, 36 Koßathen, 36 Viertalerhäußler (die vermutlich jährlich 4 Taler Zins abzuzahlen hatten), 5 Bansediensthäußler (die in Wirtschaftsgebäuden wohnten und dafür wohl Dienste zu leisten hatten); dazu kamen noch einige adlige Familien, Pfarrer, Lehrer und Dienstboten, ferner 40 „Hausgenossen“, die als zugezogene Arbeiter und Kleingewerbetreibende zur Miete wohnten; insgesamt 382 erwachsene Personen in 100 Häusern! Mitunter erwarben die in Zeitz Dienst tuenden Herren in Belleben einen Hof, um ein eigenes Anwesen zu haben; desgl. andere adlige Personen aus der Umgegend, die etwa zur Zeit einer Erbregulierung hier wohnen wollten. So kommen außer den 4 Herrschaften Trotha, Krosigk, Lochau und Anhalt folgende Namen vor: v. Kotze, v. Steuben, v. Mascau, v. Wülkenitz, v. Hanfstengl, v. Alvensleben, v. Ingersleben, v. Wintersheim, Vitztum von Eckstädt, v. Lauen, v. Zimmermann, v. Vitzenhagen, v. Könitz, v. Rappold, v. Königen, v. Grone, v. Marschall, v. Tümpling, v. Gesau, v. Bandemer, v. Hoymb, v. Palus, v. Pörten, v. Gehren, nicht zu reden von den vielen langen Listen der adligen Paten. – Die Anspänner der damaligen Zeit waren: Sachse, Koch, Nitschmann, Türpe, Schnause, Schulze, Weeck, Floßfeder, Hoffmann, Jänike, Gebhardt, Wichmann. Pfarrer waren Joh. Andreas Münnich (dem der Fürst dankbar war, weil dessen Vorfahr seinem Vorfahren in der Schlacht beigestanden hatte), Gottfried Schieferdecker und Magister Plessing, der sich durch Abschaffung einer großen Chronik ungemein verdient gemacht hat. An Lehrern werden genannt: Johann und Christoph Beck, Karl Friedrich Lympius und später J. Heinr. Wilh. Lichtenberg sowie J. Gottfr. Lympius jun. – Das Hauptgut im Dorfe ist vermütlich in den Händen der Familie Kücke, Türpe (seit 1733), Wagener und Hagemann gewesen. Es würde zu weit führen, hier auch noch die vielen Kleinbauernschaften zu nennen, doch sollen weiter unten die Namen einiger der heutigen Familien mit dem Jahre ihres Hierherkommens, wobei zu bemerken ist, dass, wo der Vater einheiratete, die Linie der Mutter oft schon um 1650 hier ansässig war, so dass die meisten Ortsbewohner ihre Ahnenreihe teilweise bis zum 30jährigen Kriege zurückführen können. Aber es ist ungemein schwer, die einzelnen Höfe näher zu bestimmen. Oft ging das Besitztum auf einen anderen Namen über, wenn die Tochter statt des Sohnes den Hof bekam. So hat ein Besitztum etwa folgende Eigentümer gehabt: Kobbert-Linsert, Jänicke, Dönitz, Ackermann, Sack und Lücke, immer in weiblicher Linie vererbt, bis dieses Gut, mit anderen verschmolzen, in den großen Hörningschen Besitz überging und „das“ Gut des Dorfes geworden ist, das etwa 160 Personen beschäftigt und u.a. durch seine Schafzucht weit berühmt geworden ist. – Im Staatsarchiv zu Magdeburg befinden sich 7 große Bände des Amtes Haus Zeitz, die alle Besitzveränderungen zwischen 1700 und 1800 verzeichnen. Da ist es nun eine Liebhaberei des jetzigen Chronisten, alles durchzuarbeiten und mit der Zeit einem jeden Dorfgenossen nachweisen zu können, wann sein Haus gebaut worden und wer alles den Hof besessen hat. Man muss mit Hypotheken arbeiten, was nicht schwer ist, wenn man sich in die Materie eingelebt und eingeliebt hat. Zum Beispiel: Wo mag wohl „der alte Mohn“ gewohnt haben? Wir kennen heute einen „Hoffmans Grund“. In der alten Chronik lesen wir aber vor 200 Jahren von einem „Mohns Grund“. Halt! Das muss derselbe sein! Also hat möglicherweise Mohn das Hoffmannsche Gut gehabt, und dieses hat heute der Ortsbauernführer Wachsmuth. So sind wir einen Schritt weiter gekommen und stellen uns den alten Liborius als Schutzpatron des kleinen Albert Wachsmuth jun. vor.

Wie lange die Fürsten von Anhalt in Haus Zeitz residiert haben, haben wir noch nicht festgestellt. Wir nähern uns nun dem 19. Jahrhundert. Die Pfarrer Muhl, Richter und Häßner (1765 bis 1832) haben nicht an der Chronik gearbeitet, aber ihre Kirchenbücher mit den Familiennachrichten gut geführt, was für unsere Chronik nun wieder gut zu verwerten ist. Jedoch ein anderer schildert uns, wie Belleben damals aussah. Heineccius schreibt 1785 in seiner „Topographischen Beschreibung des Herzogtum Magdeburgs und der Grafschaft Mansfeld Magdeburgischen Anteils“ auf Seite 372: „Belleben liegt an der Straße, auf welcher die Kohlen aus der sächsischen Brandscheide auf die sächsischen Hüttenwerke zu Eisleben und Hettstedt geführt werden. Es hat 3 Kolonistenwohnungen, 105 Feuerstellen (worunter 2 dienstfreie Höfe), 11 Vollspänner, 3 Halbspänner, und 32 kleine Cossäten. Es hat 2040 Morgen Ackerland, 2 ½ M. zweihauigter Wiesen, 15 M. größtentheils aus Weiden bestehender Holzungen, 30 M. Gärten und einen mit Weiden bepflanzten Gemeindefleck von einem Morgen; einen Gasthof, eine Wasser- und eine Windmühle. Belleben entrichtet zur Gerichtsbarkeit des benachbarten fürstl. Bernburg-Schaumburgschen Amtes Zeitz laut Rezess vom 29.12.1684 nicht wie gewöhnlich Kontribution, sondern statt dessen ein jährliches Kontingent, welches vierteljährlich an die Kreiskasse zu Halle abgeliefert wird. Der Gerichtsobrigkeit bezahlen die Unterthanen Dienstgeld. Verschiedenen Einwohner sind Bergleute. Die Kirche steht unter dem Patronate der Gerichtsobrigkeit und unter der 3. geistlichen Inspektion des Saalkreises. 1782 hatte Belleben 564 Seelen; in den 10 Jahren vorher sind 232 Kinder geboren und 178 Personen gestorben.“

Von 1800 war Joh. Heinr. Richter Pfarrer. Ein Nachkomme, Bankdirektor in Wien-Triest besitzt noch ein Gemälde des Ortes von damals. Sein ältester Sohn wurde der erste Direktor der großen Rheinischen Missionsgesellschaft, deren Sendboten nach Afrika und Indien gingen. Pfr. Richter hat eine Liste ausgestellt (1804), die 723 Personen enthält (mit Kindern). Es sind 11 Anspänner, 3 Halbspänner und Freisassen, 32 Koßaten, 64 Häußler (meist Handwerker u.d.), 32 Hausgenossen, ferner Pfarrer und Kantor. Dazu kommen 69 Personen aus Zeitz, deren bunte Aufstellung so recht das Leben dieses Gutsbezirkes andeutet. Schließlich meldet sich das Vorwerk Piesdorf, das auf dem Gelände der späteren Zuckerfabrik lag und als solches auf unserem Kirchenstempel mit vermerkt ist, mit 10 Personen: Schafmeister, Schweinehirte usw.

Wir kommen der Gegenwart näher. Der Nachrichten sind nun so viele, dass man nur hie und da Proben herausgreifen kann – 1817 stifteten sich die Anspänner neues Kirchengestühl zum Reformationsfest. Die Liste nennt folgende Namen: Ackermann, Kuhnert, Schwenke, Hoffmann, Schulze, Schwenke, Hoffmann, Schulze (später Kersten-Schneidewind), Dönitz, Rietschmann, Wernicke (Füllner), Ehrenberg (Brünner). – Die Meister und einige Koßaten wollten es ihnen gleichtun und bauten auf der Gegenseite; es waren: Müller I, Löchelt, Voigt, Wiechmann (sp. Radicke-Herbst), Waldsberg, Naumann, (Rudloff), Müller II, Müller III, Müller IV, Heinrich und Türpe. – Eine alte Katasterkarte von 1840 (auf dem Amte) zeigt uns die Flur und ihre Verteilung auf die damaligen Besitzer. Die großen Bauern haben große Pläne, die kleinen Leute haben ihre „Gabel“ oder ihren Deputatmorgen, den der Brotherr pflügt. Satt aber sind sie alle geworden. Nicht nur das tägliche Brot wuchs dort, sondern auch – Zucker! Vor etwa 100 Jahren wurde die Zuckerfabrik gegründet, und es ist kaum zu sagen, wieviel die Gemeinde diesem Unternehmen zu danken hat! Noch ein anderer Umstand hat einen wirtschaftlichen um- und Aufschwung herbeigeführt: die Eisenbahn! Nicht nur dass dort in allerlei Betrieben gearbeitet werden konnte: die Arbeiter, Geschäftsleute und Schüler fuhren nun in die Stadt, nach Aschersleben und Hallo, so dass Belleben aufhörte, ein reines Bauerndorf zu sein. Was Wunder, dass nun die Wohnungen nicht mehr reichten, und wie 150 Jahre vorher Fürst Lebrecht die Viertalerhäuser baute, so bauten sich jetzt die Handwerker und Arbeiter selbst, oft nach Feierabend, ein eigenes Häuslein, in dessen Gärtchen Salat für die Küche und manch Blümlein für den müden Kleinrentner wuchs. Es wird die Aufgabe der weiteren Forschung sein, die Perioden dieser Bautätigkeit einzeln zu untersuchen und ihre Wirkung auf das Leben des Dorfes. In die Bergwerke brauchte jetzt keiner mehr zu pilgern, aber auch das Fuhrhandwerk und die Böttcherei mit ihren Frachtfässern war der neuen Zeit zum Opfer gefallen.

Wir übergehen die neue Zeit, da sie jeder kennt, den Weltkrieg, den Abbruch der Zuckerfabrik, die Inflation, die Arbeitslosigkeit. Wir sind froh, dass im 3. Reiche die Wirtschaft „angekurbelt“ ist. Die Volkszählung von 1939 hat 1253 Personen festgestellt, die außer in dem eingemeindeten Zeitz in 226 Häusern wohnen (H. Z. noch ca. 15). Es sind 350 Familien im Orte und etwa 40 in Haus Zeitz.

Ein besonders enges Bindeglied der Zusammengehörigkeit ist die Gemeinschaft des Dorfes, da man nicht nur sich stetig sieht, sondern auch nachweislich verwandt ist. Das hat die „Arierforschung“ dargetan. Der jetzige Pfarrer hat in 5 Jahren seines Hierseins etwa 3000 Gesuche erledigen müssen, davon z.B. 675 in einem Jahre. Nur 50 von diesen 675 waren für Ortsbewohner, 40 für Halle und 70 für Berlin, auch Aschersleben und Magdeburg haben viele Bewohner deren Vorfahren in Belleben wohnten. Es ist ungeahnt wie weit die Ausstrahlung eines einzigen Ortes geht! Im ganzen deutschen Vaterlande wohnen die Nachkommen unserer Bellebischen Ahnen; sie sind zum Teil berühmte Persönlichkeiten geworden, Gelehrte, Fabrikanten und Männer des öffentlichen Lebens. D. th. Richter wurde schon genannt, dann der Leiter des Provinzialmuseums Prof. Hahne, dann aber der ruhmreiche Heerführer Oberst Bruchmüller, der Durchbruchmüller, der die Feuerwalze der Durchbruchschlachten leitete und der etwa 30 Ahnen in Belleben hat. – Viele hundert Namen stehen in unseren Kirchenbüchern. Geschlechter sind gekommen und gegangen; wir denken ihnen nach und lauschen der alten Kunde. Mag auch ihr Lied verklungen sein, wie auch unsere „Quelle der Heimat“ – wir wollen sie nicht vergessen. Die reiche Geschichte Bellebens und all unserer Ahnen soll in unsern Gemütern lebendig werden!

Zum Schlusse glauben wir den Ortsbewohnern Bellebens und ihren Verwandten hin und her einen Dienst zu tun, wenn wir die Namen der bekanntesten Familien mit der Jahreszahl ihres ersten Auftretens nennen: Armes 1803, Bieler 1849, Bleichert 1808, Einbrodt (I) 1732, Fiedler 1823, Finzel 1744, Flossfeder 1704, Gebhardt 1651, Grasemann 1796, Hagemann ca. 1800, Heinrich 1767, Heller 1824 und 1834, Höhndorf 1781, Kahle 1843, Kaps 1703, Kronberg 1865, Löchelt 1748, Linzmann 1826, Lieferentz 1708, Mennicke 1733, Naumann 1710, Philipp 1722, Pillhardt (Ecke-Schiebel) 1689, Rudloff 1801, Schöneberg 1864, Schaaf 1743, Schwenke 1769, Siedel 1818, Sommer 1763, Türpe 1733, Thorwest 1783, Thieme 1746, Völkerling 1868, Wachsmuth 1872, Werner 1728, Zeising 1741. Auch der Heimatsort ist vielfach feststellbar. Die vielen Müllers, Schulzes, Richters, Wolfs, Hellwigs, Hellings, Helbigs, Meyers und Kunzes müssen noch besonders auseinander gerechnet und untersucht werden. Die älteste Familie sind die Voigts; der Stammvater aller Voigts im Orte (wie schon erwähnt) ist Hans Voigt, der nach dem 30jährigen Kriege Kirchvater war. Um 1600 gab es einen Stephan Voigt, und schon 1457 starb ein Bethmann Vojt.

Ein Dorfsippenbuch ist im Entstehen, es soll due Sippentafeln aller Familien enthalten. Eine Chronik wird fortlaufend bearbeitet. Für mancherlei Sonderabschnitte derselben werden Mitarbeiter gesucht. Wer alte Urkunden, Gegenstände, Erinnerungen, Bilder und Anekdoten hat und weiß, wird gebeten, sie dem Pfarrer mitzuteilen. – Da es sich im Vorliegenden zumeist um erstmalige Herausarbeitungen handelt, sind vorläufige Fehler nicht ausgeschlossen. Desungeachtet geht die Arbeit weiter; sie diene dem inneren Aufbau unseres Volkes und unserer lieben Heimat Belleben.


Anmerkungen, Ergänzungen

(1)    Es wird vermutet, dass Belleben bereits in Schriftstücken und Urkunden des Klosters Fulda erstmalig vermutlich 800 als Beineleibe und urkundlich 876 als Benaleba erwähnt wird. Die verschiedenen Ansichten hierzu, werden an anderer Stelle später noch betrachtet.

(2)    Es ist anzunehmen, dass die heutige Ortslage einst von den Thüringern besiedelt war. Hiervon zeugt die auf dem alten Friedhof gefundene Fibel aus einem Grabe, dass der Thüringer Kultur zugeordnet wird.

(3)    Siehe hierzu (1) – die erste urkundliche Nennung stammt wohl aus dem Jahr 876, ist allerdings nicht unstrittig. Die Nennung 1180 ist zweifelsfrei Belleben zuzuordnen.

(4)    Dass die Familie „de Benleve“ tatsächlich in Belleben ansässig war, ist nicht gesichert. Eine Betrachtung hierzu erfolgt später noch an anderer Stelle. Als gesichert gilt, dass es mehrere Ritter dieses Namens gab.

(5)    Im „Urkundenbuch der Klöster der Grafschaft Mansfeld“ findet sich eine Urkunde aus dem Jahr 1376, in der 2 Namen aus Belleben ersichtlich werden: Kunze Kurps und Hinze Proyseke. Diese Namen lassen sich allerdings weder in die Vergangenheit noch in die Zukunft nachverfolgen. Über Bethmann Voit ist wenig bekannt. 1400 werden ein Albrecht und Bethmann Voit, Gevettern, mehrfach als Wettiner Stiftsvasallen vom Erzbischof Albrecht von Magdeburg belehnt - u.a. bei Gerbstedt und in Alsleben. Bereits 1371 wurden sie in Ribbesdorf belehnt. Im Lehnbuch der Erzbischöfe Peter (1372-1381) und Albrecht III. (1382-1403) von Magdeburg findet man Busso Schonhals und „Bethemannus et Albertus dicti Voyde“ als Stiftsvasallen auf Schloss Alsleben, die u.a. in Belleben belehnt waren.

In der Bellebener Chronik aus dem Jahr 1959 findet sich, dass die Gebrüder Herrmann, Hans Albrecht und Balthasar v. Trotha 1454 (in dem Jahr in dem Bethmann Voit starb) bereits von Bernhard von Anhalt die Anwartschaft auf Belleben erhielten und dann 1458 von Erzbischof Friedrich von Magdeburg mit selbigem beliehen wurden. Des Weiteren findet sich der Hinweis, dass Claus v. Trotha (1464, 1467 – ohne weitere Quellen) mit einer „von Benleben“ verheiratet gewesen sein soll. Hieraus entsteht der bisher unbestätigte Gedanke, dass durch diese Anwartschaft der ehemals verlorene Hof der Familie „von Belleben“ zurück in die Familie geholt werden sollte.

(6)    Unbestätigten Angaben zufolge waren die v. Trotas davor in Belleben ansässig. Wo genau dieser Hof war ist aktuell nicht bekannt.

(7)    Auch bzw. besser bekannt als „Schneidewinds Berg“

(8)    1635 wurden Schackstedt, Belleben und Piesdorf von Herzog Heinrich v. Sachsen belagert und Teile des Regiments v. Dewitz bezogen u.a. Quartier in Belleben – die Bevölkerung verließ Haus und Hof und Belleben galt nach 1635 als verwaist.