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BELLEBEN, HAUS-ZEITZ & PIESDORF

Drehe

Wenn man dem (ehemaligen) Mühlenweg folgt, liegt in westlicher Richtung von Belleben, ungefähr auf halber Strecke nach Sandersleben der ehemalige Ort Drehe (Drege, Dreyge, Tröge).

Allgemein lässt sich wenig über Drehe und seine Geschichte finden. Typische Ortsnamensendungen (-leben, -stedt, -itz usw.) die auf einen Ursprung des Ortes hindeuten sind in allen älteren Schreibformen leider nicht ersichtlich. Ausführungen, dass der Ortsname aus dem slawischen kommend „kleines Holz“ bedeuten könnte1 (auch wenn es zum heutigen Erscheinungsbild passen würde) werden an anderer Stelle wiederlegt2.

 

Erstmals Erwähnung findet Drehe unter dem Namen Dhrege3 im Jahr 1296 - die Grafen von Anhalt bewidmen das Marienkloster Aschersleben mit Land dort. Weitere Erwähnungen finden sich als Dreyge 1329 und 1341 im Lehnbuch des Fürsten Berhnhard III von Anhalt4.

In Lehnsurkunden von Ende des 15. Jahrhunderts5 werden Personen genannt, die als Landbesitzer oder vielleicht sogar Einwohner den vom Hause von Anhalt Belehnten gegenüber zinspflichtig waren:

  • 1462 – Jodde Bendorff verkauft 1 ½ Hufen im Feld zu Dreye
  • 1490 – Woldemar Fürst zu Anhalt belehnt die von Krosigk, ihnen gegenüber ist unter anderem ein Jordan Drillingk zu Dreighe damit zinspflichtig
  • 1498 – oben genannter belehnt die von Webirsted, als Inhalt werden genannt:
    • Hans Wegleben 3 Schillinge von 1 Hufe zu Drey
    • Heinrich Herzeoge 2 Gänse von 1 Hufe zu Drey
    • Peter Hadeborn 1 ½ Hufe zu Drey und 1 Hufe im Stadtfelde gibt 2 Silbergroschen und 2 Pfennige

Auch wenn hier wieder eine andere Schreibweise auftaucht (Drey) so ist aufgrund der anderen (teilweise wüsten) Orte die genannt werden – Rodewell (Rothewelle), Rode (Roda), Numestorff (Mumesdorf?), Widerstedt (Wiederstedt), Ristorff (Rissdorf), Pforten (Pforte/Pforta), Welbeßholtz (Welfesholz) – die sämtlich im näheren Umland liegen, davon auszugehen, dass Drehe gemeint ist.

 

Heute ist Drehe ein Streifen Wiese mit Baum und Strauchbewuchs, der Rehen und Wildschweinen ein zu Hause bietet. An manchen Stellen ist noch ein kleiner Bachlauf (?) erkennbar, der die mündlichen Überlieferungen stützt, dass es hier auch eine Quelle gibt bzw. gab. Diese scheint mittlerweile versiegt. Auf den umliegenden Äckern findet man noch einige Steine, die die aufgrund ihrer Form bearbeitet zu sein scheinen und wohl von altem Mauerwerk stammen. Wege führen heute nicht mehr nach Drehe, aber zumindest auf alten Karten vom Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts6 sind hierhin noch Feldwege verzeichnet.

Außerdem findet man einen länglichen roten Sandstein mit der Inschrift „A 50“. Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um einen ehemaligen Grenzstein des Herzogtums Anhalt, dessen Grenze alten Karten nach genau zwischen Drehe und Belleben verlief7. Vermutlich wurde dieser bei Feldarbeiten als störend aufgenommen und hier abgelegt.

 

TS - (Fotos dieser Seite: privat)


Nachtrag

 

Die Quelle im hinteren Bereich ist auch heute noch erhalten und bildet einige Wasserstellen aus. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich hier früher gegebenenfalls ein See, oder Teich befand, der über den Bachlauf in den vorderen Bereich ablief.

Ein Stück oberhalb der Quelle (in trockenem Gebiet) liegt ein großer Findling, der aufgrund seiner Oberfläche und Form wahrscheinlich bearbeitet worden ist. Welchem Zweck er diente und seit wann er dort liegt ist nicht bekannt.

In näherem Umfeld befinden sich sehr viele (teils als Haufen) Steine, die aufgrund ihrer Bearbeitung und Form Bauwerksüberreste zu sein scheinen. Einige dieser Steine (siehe 1 und 2) weisen linien- und kreuzförmige "Verzierungen" auf. Der frühere Ort scheint also direkt hier gelegen zu haben.


1 Hey, Schulze, Siedlungen Anhalt, S. 59.

2 Freydank, Steinbrück, Ortsnamen Bernburg 26, S. 24.

3 Heinemann, CDA 2, Nr. 819.

4 Heinemann, CDA 5, S. 378 u. 388.

5 Wäschke, Regesten Zerbst, Nr. 601, 1148, 1492.

6 Messtischblatt 4335 (Hettstedt).

7 siehe FN. 6 sowie Karten im Bildbereich m.w.N.


Literaturverzeichnis: